Jüdisch-arabische Verständigung vor 1948 und Ideen des zentraleuropäischen Zionismus Geschichte und Fragen für Heute -Anja Siegemund im Gespräch mit Amir Teilhaber
01/05/2026 , (EG) Meiningen
Idioma: Deutsch

Die polarisierenden Debatten über Zionismus, Palästina und Israel, insbesondere seit dem 7. Oktober, sind (zu) oft von diversen Vorannahmen und einem Konglomerat an Einschätzungen geprägt. Umso größere Relevanz kommt konkretem Wissen über Geschichte und Kontexte zu. Dazu gehört das Phänomen, dass sich der zentraleuropäische Zionismus wie kein anderer „Verständigung“ mit der arabischen Bevölkerung Palästinas auf seine Fahnen geschrieben hatte. Die damaligen Debatten haben bis heute nichts an Aktualität eingebüßt – sie dreh(t)en sich über die politische Verfasstheit des Landes, über Bevölkerungsmehrheiten, die Verteilung von Boden und Arbeit sowie die Frage, wem das Land „gehört“.


Zu den herausragenden Vertreter:innen dieses „Verständigungszionismus“ gehörten u. a. Hugo Bergman, Martin Buber, Georg Landauer, Gerda Luft, Gerschom Scholem und Robert Weltsch. Was verstanden sie und andere zentraleuropäische Intellektuelle unter „Verständigung“, welche Möglichkeiten sahen sie dafür und wie stellten sie sich künftige jüdisch-arabische Beziehungen vor? Das gerade erschienene Buch von Anja Siegemund: „Zentraleuropäischer Zionismus und jüdisch-arabische Verständigung vor der Staatsgründung Israels“ (Göttingen 2025) thematisiert auch die damaligen Selbstverständnisse der Protagonist:innen, ihre Suche nach Zugehörigkeit durch Zionismus, ihr Ringen um eine Verbindung von Separatismus mit Universalismus sowie ihre Zukunftsvisionen; zur Sprache kommen dabei politisches Engagement ebenso wie Kontroversen, Ambivalenzen und Unsicherheiten, zumal angesichts der Konflikteskalation in Palästina und der Katastrophe des europäischen Judentums.
Das Gespräch mit der Autorin wird auch Fäden in die Gegenwart ziehen – und fragen, was dieser im Verhältnis marginale Zionismus ausgerechnet heute bedeuten kann und soll.

Anja Siegemund, Historikerin, seit September 2015 Direktorin der Stiftung Neue Synagoge Berlin – Centrum Judaicum. Von 2009 bis 2015 Leitung des Leo Baeck Instituts Jerusalem.

Amir is a historian at the Moses Mendelssohn Center at Potsdam University. He's also chair of the board of the New Israel Fund in Germany. Born in Cologne, he completed high school in Toronto, studied in Brussels and Jerusalem and did his PhD in Berlin.

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